Die Zuspitzung der Verschuldung in der Eurozone ist nicht wirklich eine Systemkrise des Euros. Gemessen an der Kaufkraft ist die Gemeinschaftswährung immer noch überbewertet. Der „faire Kurs“ liegt bei etwa 1,14 US-Dollar und damit deutlich unter dem aktuellen Kurs von rund 1,25 Dollar. In der Spitze hatte der Euro 2008 fast 1,60 Dollar gekostet - der Tiefstand lag 2000 bei ungefähr 0,83 Dollar.
Auch die Inflationsrate gibt keinen Anhaltspunkt für eine Gefährdung der Währung.
Die aktuelle Teuerung in Deutschland liegt mit etwa 1,5 Prozent deutlich unter der durchschnittlichen Inflationsrate der DM-Ära. Gefährdet war in der Krise nicht der Euro, sondern die Fähigkeit der europäischen Schuldensünder, sich weiterhin so günstig zu finanzieren wie Deutschland.
Die aktuelle Schuldenkrise beschert vor allem den Bankhäusern, insbesondere in Frankreich, massive Probleme. Mit der jüngsten Verschärfung der Schuldenproblematik droht der Marktwert der Staatsanleihen in den Banken-Portfolios weiter zu fallen. Deshalb haben insbesondere die Franzosen Deutschland zu einem Rettungsschirm für finanziell angeschlagene Mitgliedstaaten gedrängt.
Wird der Rettungsschirm Gesetz, übernimmt Deutschland de facto die Gewährleistung für die Schulden der anderen Eurostaaten. Die Devisenmärkte haben bereits erkannt, dass durch den Rettungsschirm das Risiko für den Euro insgesamt eher gestiegen ist. Zuvor hat sich der Verkaufsdruck der Märkte eher auf die Wertpapiere der Schuldenländer konzentriert. Vor allem für Deutschland stellt der Rettungsschirm „ein unkalkulierbares Abenteuer“ dar und eine
„sichere Wachstumsbremse“.
24.Mai 2010
M.E.T. finanz